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04.03.2019 | Buchholz
Britischer Außenminister Jeremy Hunt zu Besuch in Berlin und im Gespräch bei der Konrad-Adenauer-Stiftung

Der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union steht vor der Tür. Doch auch wenn sich Großbritannien aus den europäischen Institutionen zurückzieht, wollen Briten mit dem Rest Europas „beste Freunde“ bleiben. Gemeinsame Werte, blühender Handel, enge Sicherheitskooperationen und die Vernetzung in der internationalen Ordnung schweißen die Insel und den Kontinent auch künftig zusammen, so Jeremy Hunt.

Prof. Norbert Lammert, Minister Jeremy Hunt und Felix Dane v.l.n.r
Berlin -

Auch knapp einen Monat vor dem Termin, gibt es aktuell noch keinen „Deal“ über den Ausstieg. Das einzig Erfreuliche so Prof. Norbert Lammert seien die wechselseitigen Erklärungen beider Seiten zu den bevorstehenden Entwicklungen: „Was immer auch kommen mag, wir bleiben Freunde“. Das sei auch so gemeint, dies sei aber zugleich leichter anzukündigen, als danach in der Tat zu realisieren, so Lammert.

 „Wir sind nicht irgendein Drittstaat“

Jeremy Hunt sei jedenfalls davon überzeugt, dass beide Seiten zu einem ordentlich ausgehandelten Austrittsabkommen gelangen müssen. Der Einsatz sei einfach zu hoch: „Wir sind nicht irgendein Drittstaat“. Europa werde mit Großbritannien so enge Beziehungen unterhalten wie mit keinem anderen Land. Ein bisschen Realismus scheint dann auch in der britischen Regierung angekommen zu sein. London sei klar, dass man nicht mehr von allem profitieren könne und bei allem mitbestimmen könne, wenn man die Clubmitgliedschaft kündige, so Hunt.

Der Schlüssel sei der Handel, so Hunt: „Wir brauchen eine Wirtschaftspartnerschaft“. 2017 allein habe das Handelsvolumen zwischen der Insel und Europa fast 690 Milliarden Euro betragen, dass seien acht Prozent mehr als beim Handel zwischen Europa und China.

„Wir respektieren dieselben Gesetze, begegnen denselben Gefahren und halten die selben Werte in Ehren“

Die deutsch-britischen Beziehungen sowie die politischen Ziele beider Staaten seien in vielen Bereichen eng miteinander verbunden. Aus der historischen Perspektive erinnerte Hunt an die schlimme Lage West-Berlins während der Blockade durch die Sowjetunion und das Beteiligung Großbritanniens in der Luftbrücke durch die westlichen Alliierten. Heute engagieren sich Soldaten beider Länder gemeinsam in Afghanistan und schützen die Ostgrenze der NATO im Baltikum, die Polizeibehörden und die Geheimdienste beider Staaten kooperieren im Kampf gegen Terrorismus und Organisierte Kriminalität. Diese enge Zusammenarbeit spiegele sich auch auf diplomatischer Ebene ab, wo Berlin und London für den Erhalt des Atomabkommens mit dem Iran und des Pariser Klimaabkommens sich einsetzen.

 „Wir gehen nicht weg“

Was Europa und Großbritannien vereine, sei viel tiefgründiger als die aufgebauten europäischen Strukturen oder gemeinsame Interessen in einzelnen Politikfeldern. Was uns in Zukunft weiterhin verbinde, seien gemeinsame Werte und der Glaube an Freiheit und Rechtsstaatsprinzipien. Auch dafür werde das Vereinigte Königreich sein internationales Netzwerk – die Beziehungen zu den USA und das Commonwealth – nutzen: „Wir versuchen, die Welt weiter zusammenzuhalten.“ Deswegen solle auch Europa uns Briten nicht abschreiben: „Wir gehen nicht weg“, denn „wir sind alle Teil von etwas Größerem“.

Trennungsschmerz ade?

Zum Abschluss ergriff Prof. Lammert noch einmal das Wort und griff seine Bemerkung vom Anfang auf. Es sei aktuell nicht voll davon überzeugt, dass all den warmen Worten von Freundschaft und enger Verbundenheit im realen Leben auch die dazugehörigen realen Emotionen zur Seite stehen. Wäre dem nämlich so, hätte das Referendum einen anderen Ausgang haben müssen. So allerdings bleibe zu hoffen, dass wie bei einer Scheidung, man am Ende doch verbunden bleibe, obwohl allzu oft den warmen Worten dann die kalte Realität entgegenstehen würde.

 

Den Text der Rede im Originalwortlaut von Minister Jeremy Hunt, finden Sie hier.

https://www.gov.uk/government/speeches/britain-and-germany-an-alliance-of-values